von Julia Christiane Hanauer, 10.11.2017
Bilder erzählen Geschichte(n)
Es sind Bilder, die Geschichte(n) erzählen: über das alltägliche Leben, historische Geschehnisse und das, was die Menschen bewegt. „Heimat Alpstein – Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei“ heisst die Ausstellung im Kulturzentrum am Münster in Konstanz, die diese Bilder in den Fokus nimmt. Sie ist noch bis 30. Dezember zu sehen.
Von Julia Christiane Hanauer
Der Begriff der Bauernmalerei beschränkt sich nicht nur auf das Werk mit Leinwand und Farbe, sondern ist wesentlich weitläufiger. Kunsthandwerkliche Arbeiten der Schmiede, beispielsweise Schellen, sowie Chüelischnitzer zählen ebenfalls dazu – und sind auch in der Konstanzer Ausstellung zu sehen. Der Schwerpunkt jedoch liegt auf der Malerei. Und wer denkt, Bauernmalerei sei ein Relikt der Vergangenheit, der irrt. „Der Zeitraum einer eigentlichen appenzellerisch-toggenburgerischen Bauernmalerei umfasst rund zweihundert Jahre. Die Wurzeln reichen jedoch deutlich weiter zurück“, schreibt Hans Büchler im gleichnamigen Begleitbuch zur Ausstellung. Ihren Ursprung hat sie wahrscheinlich um 1598, geht über die Werke der Klassik aus dem 19. Jahrhundert und der naiven Kunst bis zur Nostalgie- und Sonntagsmalerei der heutigen Zeit, ist weiter zu erfahren.
Im Mittelpunkt steht die Kuh
Es sind farbenprächtige Werke, in deren Mittelpunkt vor allem die Kuh steht, „die seit dem Mittelalter von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung für die Ostschweiz ist“, schreibt Büchler. Oft erinnern die Werke an Wimmelbilder, denn es gibt unzählige Details zu entdecken, teils auch humoristische Motive. Ein in zahlreichen Werken wiederkehrendes Motiv ist die Alpfahrt sowie das bäuerliche Alltagsleben. Auch die charakteristische Landschaft Appenzells und des Toggenburgs fehlt in kaum einem Bild. Hauptsächlich spielen sich die dargestellten Motive im Freien, in der Natur, ab. Reine Innenansichten gibt es kaum. Manchmal wird ein Blick durch eine offene Tür ins Innere gewährt, wo der Senner Käse macht oder seine Kühe melkt.
Doch nicht nur Alltagsszenen werden dargestellt, sondern auch politisch relevante Themen wie die Landsgemeinde, einer bis heute einmal im Jahr stattfindenden Volksversammlung, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts erstmals „als oberstes Verfassungsorgan auftaucht“, ist im Begleitbuch-Beitrag von Tobias Engelsing, Direktor der Städtischen Museen Konstanz, zu lesen.
Albert Manser (1937-2011) „Hüt isch Öberefahrt“, 1992 Hier führt das Gäässmeetli, das Geissmädchen, und nicht wie sonst üblich der Geissbub die Geissenherde am Kopf der Alpfahrt an. Bild: Nachlass Manser
„Heimat Alpstein“ ist eine Ausstellung, die sich zwar laut Titel der Bauernmalerei widmet, darüber aber wesentlich hinausgeht. Gerade durch die geschichtliche Erläuterung werden die Bildmotive verständlicher. Es ist nicht „einfach nur“ Malerei von Kühen und schönem Bergidyll, sondern es gibt einen Hintergrund zu dem, was dargestellt ist – auch wenn dies teilweise natürlich idealisiert gezeigt wird. Bilder, die Geschichte(n) erzählen, ergänzt um zahlreiche Details, die Geschichte beschreibt und begreiflich macht.
Geöffnet ist die Ausstellung „Heimat Alpstein“ im Kulturzentrum am Münster noch bis 30. Dezember, jeweils dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Montags geschlossen. Weitere Informationen gibt es unter www.rosgartenmuseum.de/ausstellung/kunst-aus-dem-alpstein
Was Ashton Kutcher mit dem Alpstein zu tun hat
Das Alpstein-Gebiet, speziell das Gasthaus Äscher, hat es in den vergangenen Jahren zu weltweiter Bekanntheit gebracht und zieht unzählige Touristen an. Auslöser war der US-amerikanische Schauspieler Ashton Kutcher, der 2015 bei Facebook einen Artikel über das Gasthaus Äscher postete. Innerhalb kürzester Zeit drückten 22 000 Personen auf den Like-Button wie die «Appenzeller Zeitung» schreibt. National Geographic zählt den Ort zu den 225 Traumdestinationen weltweit und machte ein Foto des Berggasthauses zum Coverbild eines kürzlich erschienen Buches. Dass der Ort spektakulär ist, war den Einheimischen allerdings schon im 19. Jahrhundert klar. 1830 veröffentlichte Johann Baptist Isenring die „Ansichten aus dem Appenzeller Gebirge“, einem der frühesten Werbeprospekte des Appenzellerlandes, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Eines der sieben Bilder zeigt „Die Senhütte im Aescher beim Wildkirchlein“.
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